Prüfung von Stromverteilern

Wiederholungsprüfung und Prüfung vor Einsatz – Was Veranstaltungstechniker wissen müssen

In der Event- und Veranstaltungsbranche ist der sichere Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln keine Option – sondern Pflicht. Ob bei temporären Installationen, Tourproduktionen oder stationären Anlagen in Veranstaltungshallen: Elektrische Sicherheit ist essenziell. Doch welche Prüfungen sind vorgeschrieben? Wer darf sie durchführen? Und wie oft müssen sie wiederholt werden?

Wir geben einen Überblick über die rechtlichen Grundlagen, die wichtigsten Normen und die praktische Umsetzung – mit besonderem Fokus auf Gefährdungsbeurteilung, Umwelteinflüsse und Einsatzbedingungen.


Warum sind Prüfungen elektrischer Betriebsmittel so wichtig?

Elektrische Betriebsmittel unterliegen im rauen Veranstaltungsalltag hohen Belastungen. Transport, wechselnde Umgebungseinflüsse, häufiges Auf- und Abbauen – all das kann zu Defekten führen, die mit bloßem Auge oft nicht zu erkennen sind. Ein defektes Kabel oder ein beschädigter Schutzleiter kann jedoch im Ernstfall lebensgefährlich werden.

Die Prüfungen dienen also nicht nur dem Schutz der eingesetzten Technik, sondern auch der Sicherheit von Mitarbeitenden, Künstlern und Gästen.


Prüfung vor dem Ersteinsatz – mit DIN VDE 0701-0702, DIN VDE 0100-600 und mehr

Bevor elektrische Betriebsmittel oder Anlagen zum ersten Mal eingesetzt werden, ist eine Erstprüfung verpflichtend. Hier greifen – je nach Gerätetyp – mehrere Normen:

Ortsveränderliche Betriebsmittel:

DIN VDE 0701-0702
Zum Beispiel: Verlängerungskabel, Leuchten, tragbare Geräte

Ortsfeste Anlagen / Stromverteilungen:

DIN VDE 0100-600
Diese Norm regelt die Erstprüfung neu errichteter oder wesentlich geänderter elektrischer Anlagen – etwa Bühnenverteilungen, feste Einspeisepunkte oder Stromkästen.

Die Erstprüfung umfasst:

  • Sichtprüfung
  • Erprobung der Schutzmaßnahmen
  • Messungen (z. B. Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz)

Bauart und Sicherheit mobiler Stromverteiler:

Für den sicheren Aufbau von Stromverteilern gelten zusätzlich:

  • DIN EN 61439-1/-2 (VDE 0660-600-1/-2): Anforderungen an Schaltgerätekombinationen
  • DIN VDE 0100-410: Schutz gegen elektrischen Schlag (RCDs ≤ 30 mA Pflicht!)
  • DIN VDE 0100-540: Erdung und Potenzialausgleich
  • DIN VDE 0100-704 (Baustellenregelung, wird oft analog angewendet)

Wer darf prüfen?
Nur eine Elektrofachkraft mit entsprechender Qualifikation – gemäß TRBS 1203.


Wiederholungsprüfung – alle 6 Monate oder häufiger?

Für die Veranstaltungsbranche empfiehlt die DGUV Information 203-005 ein Wiederholungsintervall von alle 6 Monate. Das betrifft insbesondere ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel wie:

  • Kabeltrommeln, Adapter, Verlängerungen
  • Scheinwerfer, Dimmer, Moving Lights
  • Ton- und Videotechnik
  • Bühnentechnik mit elektrischen Komponenten

Doch dieses Intervall ist nicht starr vorgegeben – denn die tatsächliche Prüffrist ergibt sich aus einer fundierten Gefährdungsbeurteilung.


Gefährdungsbeurteilung: Intervall nach Einsatzbedingungen anpassen

Gemäß Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und TRBS 1201 muss der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Sie bestimmt das passende Prüfintervall anhand von:

  • Umwelteinflüssen (z. B. Regen, Staub, Temperatur, Feuchtigkeit)
  • Einsatzbedingungen (häufiges Verladen, Tourbetrieb, Open Air)
  • Gerätetyp und Belastung (beweglich, mechanisch beansprucht)
  • Erfahrungswerten (z. B. frühere Schäden)

Beispiele:

  • Eine wettergeschützte Verteilung in einer Veranstaltungshalle kann 1× jährlich geprüft werden.
  • Eine Open-Air-Verteilung mit hohem Risiko (z. B. Festival) sollte ggf. monatlich oder vor jedem Einsatz geprüft werden.

Wichtig: Änderungen der Einsatzumgebung = neue Gefährdungsbeurteilung.


Aufbau & Normenkonformität von Stromverteilungen

Bei selbst gebauten oder modifizierten Stromverteilungen müssen weitere Normen berücksichtigt werden, die über die reine Prüfung hinausgehen:

DIN EN 61439-1/-2 (VDE 0660-600-1/-2)

Regelt die Bauweise, Schutzart (IP), Belastbarkeit und interne Verdrahtung. Nur vollständig geprüfte Verteilungen dürfen eingesetzt werden – andernfalls muss eine Nachweisführung erfolgen.

DIN VDE 0100-410 / -540

Schutz gegen elektrischen Schlag, Erdung, Schutzleiterführung, Abschaltzeiten – unbedingt einhalten!

DIN VDE 0100-704

Für temporäre Anlagen unter freiem Himmel (z. B. Bühnen, FOH, Technikzelte) sinnvoll – auch wenn primär für Baustellen gedacht, wird sie oft analog in der Veranstaltungstechnik angewendet.


Brandschutz & Versicherung: VdS 2349

Ergänzend zu den technischen Normen empfiehlt sich ein Blick in die VdS-Richtlinien (Versicherungsstandards). Besonders relevant:

VdS 2349 – Elektrische Anlagen in temporären Bauten

Empfohlene Maßnahmen:

  • H07RN-F oder andere schwer entflammbare Kabeltypen
  • RCDs an allen Endstromkreisen
  • Trennung von Strom- und Audiosignalleitungen
  • Keine überlasteten Mehrfachverteilungen
  • Erdung bei Zelten, FOH-Türmen und Traversen

Diese Richtlinien sind nicht gesetzlich verpflichtend, werden aber von vielen Versicherungen und Behörden verlangt.


Relevante Normen und Vorschriften im Überblick

Norm / VorschriftGeltungsbereich
DIN VDE 0701-0702Prüfung ortsveränderlicher Geräte
DIN VDE 0100-600Erstprüfung ortsfester elektrischer Anlagen
DIN VDE 0100-410 / -540Schutzmaßnahmen, Erdung
DIN VDE 0100-704Temporäre Anlagen / Outdoor
DIN EN 61439-1/-2Bauvorgaben für Stromverteilungen
TRBS 1201 / 1203Prüfarten & Qualifikationen
DGUV-I 203-005Branchenspezifische Prüfintervalle
BetrSichV §3 & §14Gefährdungsbeurteilung & Dokumentation
VdS 2349Versicherungsanforderungen für temporäre Elektroanlagen

Wer darf prüfen?

Die Prüfung darf nicht durch beliebiges Personal durchgeführt werden. Voraussetzungen:

  • Elektrofachkraft nach TRBS 1203
  • Kenntnis der relevanten Normen (VDE, TRBS, DGUV, VdS)
  • Erfahrung in der Veranstaltungsbranche
  • Einsatz geeigneter und kalibrierter Messgeräte

Betriebe sollten Prüfverantwortliche benennen und regelmäßige Schulungen dokumentieren.


Dokumentation: Pflicht und Schutzschild

Jede Prüfung – egal ob nach DIN VDE 0701-0702 oder 0100-600 – muss nachvollziehbar dokumentiert werden:

  • Name des Prüfers und Datum
  • Art der Prüfung (Erstprüfung, Wiederholung)
  • Gerät / Anlage mit eindeutiger ID
  • Messwerte und Prüfentscheidungen
  • ggf. Mängel und empfohlene Maßnahmen

Tipp: Digitale Prüfbücher oder Prüfsoftware helfen bei Nachvollziehbarkeit, Nachverfolgung und Rechtssicherheit.


Fazit: Sicherheit braucht System

Ob Stromverteilung auf einem Open-Air-Festival oder Bühnenverkabelung in einer Stadthalle – elektrische Sicherheit entsteht nicht zufällig. Nur mit systematischer Planung, fundierter Gefährdungsbeurteilung und Prüfung nach VDE- und VdS-Richtlinien lassen sich Risiken minimieren.

Das Zusammenspiel von:

  • technischen Normen (DIN VDE, EN 61439),
  • betrieblichen Maßnahmen (Gefährdungsbeurteilung, Intervallanpassung)
  • und organisatorischer Sorgfalt (Dokumentation, Schulung)

ist entscheidend für die Sicherheit aller Beteiligten.